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Februar 18, 2019

KI & Kunst: Urheberrechtsschutz oder copy and paste?

Im Oktober 2018 wurde das Kunstwerk „Portrait of Edmond De Belamy“ für über 432.500 USD durch das Londoner Auktionshaus Christie’s versteigert. Die Versteigerung eines Gemäldes zu einem solchen Preis stellt zunächst einmal keine Besonderheit da, wenn heutzutage Werke da Vincis für über 400 Millionen USD auktioniert werden. Ein Novum gab es jedoch: das besagte Portrait wurde durch die Nutzung einer künstlichen Intelligenz (KI) geschaffen. Eine KI erstellte das Kunstwerk auf Grundlage einer Datenbank, die tausende Portraits aus den vergangenen Jahrhunderten der Malerei enthielt. Rein optisch lässt sich das „künstlich“ erschaffene Bild nicht unterscheiden von einem, das ein Mensch gemalt hat. Außer aufgrund der Signatur, unterzeichnet wurde das Gemälde nämlich mit einem Teil des Algorithmus, der es geschaffen hat.

Es drängt sich die Frage auf, ob besagtes Bild frei genutzt werden darf oder ob es genauso unter urheberrechtlichem Schutz steht wie ein Kunstwerk, das nicht von einer KI erzeugt worden ist?

Das Urheberrecht schützt bislang nur menschlich Geschaffenes. Was es nicht schützt, sind Ideen, aber auch Werke, die allein von einer Maschine erstellt worden sind. Dies bedeutet allerdings nicht, dass sich ein Künstler nicht technischer Hilfsmittel bedienen darf, um schützenswerten Output zu schaffen. Hinzu kommt, dass bereits die Auswahl und Einstellungen der Technik zu einem urheberrechtlich geschützten Werk führen können. Beispiel: ein Fotograf fertig eine Fotografie des Gemäldes an. Dabei handelt es sich nicht um eine reine Reproduktion durch die Kamera, denn der Fotograf trifft im Rahmen der Anfertigung vielfältige Entscheidungen. Welche Kamera wird mit welchem Objektiv benutzt? Wie sehen Belichtung und Lichtverhältnisse aus? Wurde das Bild in der Postproduction maßgeblich verändert? Würde eine „KI“ so lange mit Daten gefüttert und justiert, bis ein gewünschtes und vorgestelltes Ergebnis dabei herauskommt, erschiene die KI nur als Werkzeug künstlerischer Tätigkeit.

Das europäische Urheberrecht schützt also verschiedenste Ausdrucksformen menschlicher Kreativität. Anders als zu großen Teilen das anglo-amerikanische Urheberrechtssystem schützen die kontinental-europäischen Rechtsordnungen neben dem wirtschaftlichen Wert des Schaffens vor allem auch das der Kreation innewohnende Persönlichkeitsrecht des Künstlers.  Die zentrale Frage nach europäischem Urheberrecht ist demnach, ob die KI quasi der Pinsel des Künstlers und das Ergebnis Ausdruck seines Schaffens ist oder ob die KI selbst den Pinsel führt. Entscheidend ist somit, inwieweit das Geschaffene auf die Schaffenskraft eines Künstlers zurückzuführen ist.

Im Falle des Portraits von Edmond de Bellamy ist gut möglich, dass das hinter dem Projekt stehende Künstlerkollektiv einen geringen Einfluss auf das letztendlich entstandene Kunstwerk hatte. Auch handelt es sich bei dem Projekt selbst wohl um künstlerisches Schaffen, etwa in Form von Aktionskunst. Dann ist aber nicht das Bild geschützt, sondern nur die Aktion (vgl. dazu Beuys-Aktion Entscheidung des Bundesgerichtshofs, BGH I ZR 28/12).

Kurioses Ergebnis: je „intelligenter“ die KI desto weniger Schutz genießen ihre Resultate. Ändern kann das nur der Gesetzgeber durch ein neues Leistungsschutzrecht oder das Zubilligen von Persönlichkeitsrechten für die KI.


Autor

Merlin Backer, LL.M. (Glasgow)

HK2 Rechtsanwälte

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