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Februar 20, 2017

Von Monstern und Autopiloten

Das Europaparlament hat am 16.02.2017 mit überwältigender Mehrheit eine Resolution zur Regulierung von Robotern verabschiedet. Neben Ideen zur Haftung, ethischen Prinzipien für Roboterforscher soll vor allem erst mal eine Behörde geschaffen werden. Der Text beginnt mit einer Referenz auf Frankensteins Monster. Das hat zwar nichts mit Robotern zu tun, versetzt aber den Leser gleich in die richtige Stimmung. Dann wird die Notwendigkeit einer allgemein anerkannten Definition des Roboters proklamiert. Aber statt kurz bei Wikipedia nachzusehen und dort vielleicht auf die VDI Richtlinie 2860 zu stoßen, mäandert die Resolution von Robotern über künstliche Intelligenz (KI) und netzneutralen Breitbandanschluss hin zu smarten Robotern. Ein Highlight ist die Forderung, die Berechnungen einer KI sollen immer auf ein für Menschen verständliches Maß reduziert werden können.

Im Autoland Deutschland wird über einen Gesetzentwurf debattiert, der vielleicht noch vor den Wahlen, vielleicht auch nie, vollautomatisierte Fahrfunktionen zulassen soll, solange der Fahrer die Verantwortung trägt. Was der Fahrer konkret tun oder lassen soll, legt das Gesetz nicht fest. Das hätte aber geholfen, um aus der Norm mehr als eine symbolische Geste zu machen. Viel zitiert wird der Unfall eines Tesla vom 07. Mai 2016 in Florida. Wenig Verbreitung fand der offizielle Untersuchungsbericht: Der Fahrer hatte 7 Sekunden Zeit zum Bremsen, das automatische Bremssystem von Tesla hat Auffahrunfälle schon um 40 % gesenkt – war aber für diesen Fall nicht vorgesehen und dies wurde deutlich in den Benutzerdokumenten erläutert. Also ein Versagen menschlicher Intelligenz. Davon gibt es etwa 510 Mio Systeme in der EU ohne, dass jemand wüsste, wie sie zu ihren Entscheidungen kommen. 26.ooo davon sterben jedes Jahr im Straßenverkehr. In den allermeisten Fällen weil menschliche Intelligenz die falsche Entscheidung trifft. Wir sollten es als Chance betrachten, bald nicht mehr die Schlausten zu sein. Und die Gefahren sollten erforscht werden – aber nicht von einer Behörde deren Sicht auf die Moderne im vorletzten Jahrhundert hängengeblieben zu sein scheint.


Autor

Matthias Hartmann

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